Tuchan - Axat

Donnerstag, 16. Juni 2016   


Unsere Nachbarn, die ein paar Plätze weiter ein Chalet gemietet haben, zeigen sich recht interessiert an unserem Equipment. Er ist eine Art Power-Wanderer, der etliche Landstriche dieser Erde bereits zu Fuß durchquert hat, und sie Personal-Trainerin, die unsere Ausrüstung genau in Augenschein nimmt – ganz offensichtlich ist sie vom Fach. Viel haben wir tatsächlich nicht dabei – zwei Taschen für den Gepäckträger, der an meinem Rad angeschraubt ist, und eine 14-Liter-Hecktasche, die unter dem Sattel meiner Weggefährtin festgezurrt wird. Dazu noch zwei Lenkertaschen. Wenn man den aktuellen Moden entsagt und statt dessen auf Funktion setzt, wenn ein schmales Ein-Kilo-Zelt nicht direkt zur Scheidung führt und man nicht gerade mülltonnengroße Schlafsäcke sein eigen nennt, lässt sich damit einigermaßen wirtschaften und die Furcht vor dem Gebirge wird überschauschbar.

in den CorbièresDie Straße, die wir gewählt haben, erweist sich nicht nur als gefällig, sondern auch als recht einsam. Reben, Wälder, Wiesen, Felsgestein, Flüsschen – alles überstrahlt vom leuchtend gelben Ginster. Das Auge der Durchreisenden gleitet genüsslich übers Gelände und hält von Zeit zu Zeit Ausschau nach den Katharerburgen, die hie und da über die Felskanten ragen. Die Kilometer fließen gemächlich an uns vorüber.

unterwegs bei Wind und WetterWir haben es nicht eilig. Axat, unser Ziel, liegt etwa 80 Kilometer von Tuchan entfernt. Wir treffen zeitig genug auf dem Campingplatz ein, um im Anschluss im Dorfladen unsere Einkäufe zu machen und im einsetzenden Schauer für einen Apéritif in die benachbarte Kneipe unterzutauchen, wo sich am anderen Ende des Raumes die vorwiegend männlichen Gäste um den Fernseher scharen. Die EM in Frankreich hat gerade erst begonnen, die Jubel- und Entsetzensschreie klingen noch unverbraucht.

Blick auf die PyrenäenUnser Kocher dagegen haucht erschöpft vor sich hin, die Gasvorräte sind am Verenden, aber für die Pasta reicht es noch. Wir schaufeln sie unter dem Vordach des Restaurants der Campingplatzanlage in uns hinein, den Umstand nutzend, dass es in der Vorsaison noch geschlossenen ist. Dem Himmel ist fürs Erste nicht zu trauen. Neben uns stürzt sich eine muskelbepackte Auswahl der Dorfjugend in die Fluten des Pools – offensichtlich haben sie eine Art Freibrief, um sich hier auszutoben und ihr abendliches Schwimmtraining zu absolvieren. Nach vollendeter Performance nicken sie uns auf dem Weg zu den Duschen freundlich zu, wohlerzogen, wie sie sind.

Strecke: 78 km
Höhendifferenz:

1040 m

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