Notizen


Mondfinsternis Juli 2018

Das Paar zu meiner Linken gab sich im Großen und Ganzen vorbildlich: ordentliche Körperspannung, gepflegtes Wanderoutfit, vermutlich SUV unten auf dem Parkplatz, klare Ansagen: Wir würden uns gerne auf diese Bank hier setzen. Es ist die Bank auf der ich mich niedergelassen hatte. Da drüben wären auch noch freie Bänke..., wagte ich zu bemerken, schäbig wie ich bin, aber klar, diese Sitzgelegenheit musste es sein, mit dem Blick auf den Feldberg. Ich raffte also meine Sachen zusammen, um einem sozialen Miteinander Platz zu machen.

Radfahren in Rom

Luigi sieht uns und grinst uns an, hebt die rechte Hand zum stürmischen Gruß, während er linker Hand sein nervöses Klapprad durch den Verkehr steuert. Man muss wissen, dass Luigi sein Rad auf der falschen Seite der Straße vorantreibt, mitten durch den Feierabendverkehr Roms. Er macht es meisterhaft und mit einem Vergnügen, das wir, mit jeweils zwei Gepäcktaschen beladen, inmitten der genervten Autofahrer nicht ganz nachempfinden können. Er ist der erste Radfahrer, den ich, vom Bahnhof Trastevere kommend, an diesem Tag in Rom wahrnehme.

Vom freien Willen

An bestimmten Tagen frage ich mich, weshalb es gerade mir passieren musste, dass mich eine nicht weiter zu hintergehende Schicksalsmacht, ohne mit der Wimper zu zucken, in die eisgrauen Landschaften hinausschickt, um mich der Körperertüchtigung zu widmen.

Winterhimmel

Die dunkle Jahreszeit: wie Wasser auf der heißen Herdplatte verdampft, so lösen sich zwischen November und Februar die frostigen Tage im Nichts auf, kaum dass man den ersten Gedanken an die längst überfällige Siesta beiseite gewischt hat. Ein Hauch des ewigen Dunkels des Universums legt sich ab dem frühen Nachmittag über unsere kleine wohltemperierte Welt, zu einer Zeit, wo man sich im Sommer gerade anschickt, die Radschuhe überzustreifen und die Trinkflaschen zu füllen.

Kopf hoch!

Es wurde ja bereits viel Schlechtes über Autofahrer geschrieben, auch von mir. Sie seien Rüpel, Raser und Umweltschänder. Und natürlich Oberlehrer ("Da drüben ist der Radweg!"). Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr eine solche Berichterstattung an die Nieren gehen gehen kann. Muss man sich dann noch mit seinem Pkw durch die in manchen Stadtvierteln überhand nehmenden Massen von respektlosen Fußgängern und Radfahrern zwängen, kann man heutzutage fast nicht mehr sicher sein, dass man als unbescholtener Fahrzeuglenker nicht vom aufgehetzten Ökomob spontan gelyncht wird.

Langweiler

Es musste mir so rausgerutscht sein, irgendwie... Wir gingen im Schnee hintereinander her, bergauf, und der Schnee reichte uns wohl über die Knöchel, und ringsum war nichts als dieses Weiß und dunkler Tannenwald, und das Ganze war zudem recht anstrengend, so dass ich ziemlich ins Schnaufen kam, um ihrem forschen Schritt hinterherzukommen. Da muss es passiert sein, dass ich laut gedacht habe. Und ich hatte gedacht: bei dem Wetter könnte man auch mit dem Querfeldeinrad fahren. An sich ein ganz legitimer Gedanke, wenn man, so wie ich, bei Schnee nicht gut zu Fuß ist.

Radfahren in Paris

Paris ist anders. Nicht weil es die Stadt der Liebe ist und an allen Straßenecken geküsst wird - das auch. Aber auch wegen der Art des Radfahrens. Man steht zum Beispiel mit seinem Leihrad, dem Vélib', an einer roten Ampel, sagen wir an der Place de la République, im morgendlichen Berufsverkehr. Nervosität liegt in der Luft und während die Ampeln des Querverkehrs auf grün umspringen und die Motoren in vorderster Front ungeduldig aufheulen, zischen zwei Radfahrer von hinten an einem vorbei, schnurstracks in die Kreuzung hinein. Ungeniert und unbeeindruckt von jeder Farbsymbolik.

Tattoos, Frauen und Rennräder

Auf meinem früheren Arbeitsweg stand lange Wochen eine betagte Ente (einstiges Kultmodell der Firma Citroën -  Hinweis für die Jüngeren unter uns) mit einem Aufkleber, der mir jeden Tag neu die Vielfalt dieser Welt vor Augen führte: Keep Holland beautiful - get tattooed! Die Holländer waren immer schon etwas eigen.

Radbrillen

Ich habe sie nicht gezählt, aber es müssen einige gewesen sein. Die Rede ist von Brillen, genauer: Radbrillen. Ob transparent, gelb, rot, braun, ob mit oder ohne Wechselgläsern: ich habe mich draufgesetzt, habe sie zerkratzt oder vergessen. Die eine Brille scheuerte mich so hinterm Ohr, dass ich ihr schnelles Ende herbeisehnte. Es ließ nicht auf sich warten. Ein anderes Exemplar war offensichtlich nicht für Minusgrade ausgelegt, denn beim Absetzen nach einer Winterrunde blieb mir der Bügel hartnäckig überm Ohr hängen, während ich den Rest in der Hand hielt. Wieder 35 Euro futsch.